Uraufführung von „Kaspar Hauser und Söhne“ am Theater Basel

Die Dramatikerin Olga Bach, die von „Theater heute“ zur Nachwuchsautorin 2017 gewählt wurde hat das Schauspiel „Kaspar Hauser und Söhne“ im Auftrag des Theaters Basel zu Papier gebracht. Die Uraufführung ist am 12. April 2018 und findet bis zum 1. Juni 2018 am Theater Basel in der Schweiz statt. Das Theaterstück hat eine Altersempfehlung ab 14 Jahren. Ersan Mondtag ist für die Regie, Bühne und Kostüme verantwortlich und wurde vom „Theater heute“ Blatt zum Nachwuchsregisseur und Kostümbildner ausgezeichnet. Durch dieses Auftragswerk wird dem Zuschauer vor Augen geführt, dass die aktuelle Theaterliteratur oft nicht auf vage Vermutungen angewiesen ist, sondern oft banale Dekonstruktionen hinter sich lässt um die Welt mit aufzunehmen. Die Geschichte wird in greifbaren Figuren und Situationen erzählt, die gleichzeitig genügend Spielraum für Fragen und Diskussionen lassen. Für den Text hat sich Olga mit zeitgenössischen Dokumenten aus den Bereichen der Juristik, Medizin und Pädagogik befasst.

Die Geschichte

Die Geschichte beginnt am Pfingstmontag im Jahr 1828 in Nürnberg. Es erscheint eine schwankende, ungefähr 16-jährige Gestalt, die kaum Sprachkenntnisse hat. Die possierliche und pudelnärrische Gestalt erzählt, dass sie seit Jahren keinen menschlichen Kontakt hatte und in der Dunkelheit festgehalten worden ist bei Brot und Wasser. Der Unbekannte, der sie festgehalten hat, hat sie dann eines Tages plötzlich freigelassen und in die Welt geworfen. Die rätselhafte Gestalt und ausgesetzte Person wurde zur Attraktion. Man nannte ihn Kaspar Hauser und durch die hohe Aufmerksamkeit wurde er zum Kind Europas. 1833 starb er unter ungeklärten Umständen. Weit über den Tod hinaus wird noch weiter über die Herkunft des Findlings spekuliert. Er bleibt ein Wissenschaftsobjekt in philosophischer, psychologischer und medizinischer Hinsicht. 100 Jahre später spielt das Theater in Nürnberg. Kaspar hat eine Familie und Söhne und führt einen hierarchisch organisierten Familienbetrieb.

Der Hintergrund

Olga Bach hat sich stark von dieser historischen Vorlage entfernt und versucht den Findling in der heutigen Zeit unter zu bringen. Die Dramatikerin entwirft eine zersetzende Welt von lieblosen genealogischen Zusammenrottung, hermetisch verschlossenen Hierarchen und drohende Schläge in den Familien. Die Kaspar Figuren bekamen eine eigentümliche Sprache, die die Unbewohnbarkeit der Wörter, über die man zu verfügen meint, anrührend und schmerzlich vor Augen führt.

Fazit

Olga Bach hat mit ihrer Inszenierung von Kaspar Hauser und Söhne ein tolles Theaterstück geschaffen, das sich lohnt im Theater Basel anzuschauen. Die historische Geschichte wurde perfekt im 20. Jahrhundert untergebracht und regt nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zu Diskussionen an.