Interaktives Theater: Die Zuschauer zu Akteuren machen

Was ist denn interaktives Theater?

Theaterspiel bietet seit Jahrhunderten die Möglichkeit sich künstlerisch und kreativ auszudrücken,  gesellschaftlich und politisch zu agieren, eigene Wünsche, Weltanschauungen, Erlebnisse, Träume und Ideen mit anderen zu teilen. Nicht selten reicht es nicht auf der Bühne zu sein, etwas darzustellen und darauf zu hoffen, dass das Publikum dazu gebracht wurde, über das Gesehene, Gehörte und Erlebene nachzudenken. Das Theater ist noch einen Schritt nach vorne gegangen: Das Interaktive Theater bezieht die Zuschauer mit ein.

Interaktives Theater ist eine besondere Art des Rollenspiels, wo eine Rahmengeschichte von allen Anwesenden gespielt wird. Das heißt, es gibt keine Zuschauer, alle werden beteiligt und zu Akteuren gemacht. Jeder, der sich einschließt, kann seine Rolle so gestalten, wie er oder sie möchte und dabei kann nichts falsch gemacht werden. Das Einzige, was gebraucht wird, ist Interesse, Spaß am Theaterspielen und Mut mitzumachen und mitten im Geschehen zu sein.

Wie funktioniert das?

Es gibt zahlreiche Organisationen und Theatergruppen, die sich mit dieser Theaterform beschäftigen. Das sind z. B. Prinzip Gonzo, Machina eX, Playback-Theater-Netzwerk, Interaktives Theater Zeitsprung usw. Ihre Betätigung besteht unter Anderem darin, eine Rahmengeschichte zu entwickeln, so wie die dazugehörigen Rollen, die allerdings nur eine grobe Form bekommen. Auf den Webseiten der Gruppen kann man sich darüber informieren, welche Stücke im Moment gespielt werden, zu welcher Uhrzeit und wo und ob das Alter der potentiellen Spieler bestimmt ist.

Die Interessierten versammeln sich in einem voraus bestimmten Ort, bekommen eine Einführung und danach erhalten Umschläge mit Rollenkarten, bzw. Charakterkarten. Darin sind Informationen über die zu spielende Person enthalten, wie z. B. ihr Name, Beruf o. Ä. Hier steht auch eine kleine Aufgabe und eventuell eine zusätzliche Ausstattung, wie z. B. Reisepass, ein Giftfläschchen, ein Hut usw. In jeder solchen Theatergruppe gibt es Stammspieler, die dann uneingeweihten Spielern helfen, indem sie ihnen vor dem Spiel in ein paar Sätzen erklären, wie die Rolle zu entwickeln ist oder, wenn notwendig, liefern sie eine Idee. Alles Weitere ist der oder dem Beteiligten überlassen und man kann die Rolle so weiterentwickeln, wie einer will oder für richtig hält. Falsch kann man nichts tun.

Nur zum Zuschauen kann man nicht kommen.

Da dies ein Live-Rollenspiel ist und häufig gebraucht wird in einen anderen Kulturkreis oder eine andere Epoche einzutauchen, ist es wünschenswert eine entsprechende Kleidung mitzunehmen.

Zahlreiche Vorteile des Interaktiven Theaters

Durch die Methode werden Personen aktiv ins Geschehen einbezogen. Sie können den Verlauf der Szenen mitbestimmen und finden gemeinsam Lösungsansätze für die dargestellten Erscheinungen. Die Themen variieren: Es handelt sich oft um Kriminalität, Menschenrechte, Vorurteile und Toleranz, Verbot von Liebesbeziehungen, Integration usw. Dabei wird eine hohe Identifikation mit dem Bühnengeschehen und somit eine emotionale und aktive Beteiligung der Zuschauer erzielt.

Mittlerweile finden die zahlreichen Vorteile des interaktiven Theaterspiels an Bildungseinrichtungen und verschiedenen Fachbereichen Anwendung. Auf Grundlagen dieser Methode werden sowohl Kurse der interaktiven Theaterspiels angeboten, als auch Großgruppentrainings, Dialogveranstaltungen, Change Events, Team-Workshops, Marketing Kommunikation oder Soft Skill Training.