Eine Besprechung einer neuen Inszenierung von Dostojewskis “Der Spieler”

Einsamkeit im 21. Jahrhundert: Fjodor Dostojewski hat in den Casinos einiges an Geld verloren. In seinem autobiografischen Roman „Der Spieler“ erzählte er davon. Im Theater Basel ist das Stück noch bis Juni zu sehen. Was einen dort erwarten wird, haben wir natürlich genauer angeschaut.

Das Stück „Der Spieler“ handelt im Jahr 1865 in einem fiktiven Ort namens Roulettenburg. Dort treffen sich nicht nur Lebemänner, sondern auch Loser, Spekulanten und vor allem Spielsüchtige. Eigentlich könnte man sich eine Art Kurort vorstellen, welches als Ambiente besonders ansprechend wäre. Allerdings ist dort deutlich mehr zu spüren als das.

Die Figuren treffen sich im großen Theater in Basel. Jedoch in einer Waschküche unter Neonlicht. Was das bedeutet? Zunächst einmal drehen sich dort nicht die Roulettescheiben, sondern die Trommeln der Waschmaschinen. Der russische Regisseur erzählte schon einige Zeit vorher von dem Zerfall der damaligen Sowjetunion. Doch was hat das Ganze mit dem Stück zu tun? Die eher handwerkliche Inszenierung von „Der Spieler“ soll genau das wiederspiegeln. Das Stück lehnt sehr nah an der Wirklichkeit und besonders an die Präzision im Detail. Die Charaktere dort spiegeln dies ebenfalls wieder.

Die Figuren in dem Stück „Der Spieler“

Jede Figur in dem Stück wurde mit sehr viel Sorgfalt ausgewählt. Die Sängerdarsteller lassen es noch ein wenig lebendiger wirken. Bereits in der ersten Szene hat General a.D. seinen Schrecken verloren, als er mit einem Wäschekorb die Treppe herunterkam und jegliche Autorität zwischen den Fliesen verliert. Später schneidet er Gemüse und ist schon längst nicht mehr interessant.

Doch auch der eher undurchsichtige Marquis, der eher ein Fitness Fanatiker ist, läuft mit seinem Pulsmesser am Arm herum, falls er nicht gerade Hanteln schwingt. Alexej wird von der eher launenhaften Polina angestiftet, einen verrückten Amokläufer zu mimen. Gerade in dem Bereich ist eine gewisse Genauigkeit in dem Stück deutlich.

Szenen werden unterstrichen durch das Orchester

Eine besondere Präzision findet sich im Orchestergraben. Das Sinfonieorchester in Basel brauchte zwar seine Zeit, um die kleinteilige und pulsierende Musik einzustellen. Allerdings greift ein Rad ins andere. Mit einer notwendigen Selbstverständlichkeit ist es dem Orchester möglich, die schnellen Tempowechsel mit Bravur zu bestehen. Sogar die harten Schnitte sind schnell getan und werden auf der Bühne realisiert.

Erstklassige Szenen mit viel Ausdruck

Die Szenen in dem Stück „Der Spieler“ sind einfach präzise und perfekt aufgebaut. Eine eher trostlose Bushaltestelle wandelt sich sehr schnell in ein offenes Hotel um. In jedem der kleinen Zimmer wird eine neue Geschichte erzählt. Die Komödie findet bereits im zweiten Akt ihren Höhepunkt. Nach der Pause wird es bei „Der Spieler“ schließlich immer schwärzer und trauriger. Polina ist es, die das erspielte Geld von Alexej zurückweist. Doch nicht nur das Geld, sondern auch ihn selbst.

Der Regisseur hat sich für die Einsamkeit und Isolation der Figuren ein sehr starkes Bild einfallen lassen. Die Roulette Szene, welche ebenfalls von dem Baseler Orchester unterstützt wird, und jeden einzelnen Spieler per Video in die Szenen bringt. In jedem der Zimmer aus dem Hotel sitzt einer nach dem anderen vor seinem Laptop und starrt aussagelos auf seinen Bildschirm. Sie spielen. Die Onlinespieler singen dazu sogar kurze Solo Szenen über ein Mikro ein.

Nicht alles optimal in der Premiere

Leider lief die Koordination hinter der Bühne bei der Premiere nicht optimal. Es gab bei dem Stück „Der Spieler“ leichte musikalische Koordinationsprobleme. In den Folgevorstellungen konnte man diese jedoch schnell in den Griff bekommen, sodass es kaum bemerkbar war. Es gelang dem Regisseur dadurch gezielt, mit den verschiedenen Videokünstlern, eine perfekte Visualisierung der Spielsucht darzustellen, die sich heute im digitalen Zeitalter leider nicht vermeiden lässt. Die Dunkelziffern sind groß. Die Einsamkeit im 21. Jahrhundert.