Deutsches Theater in der Nachkriegszeit

Standpunkt Null

Nach dem Zweiten Weltkrieg liegt Deutschland in Trümmern. Nach der NS-Zeit und über einem Jahrzehnt künstlerischer Isolation und eines Kulturlebens, das fast ausschließlich zu Propaganda-Zwecken diente, das Sondervorstellungen für die Wehrmacht und für Rüstungsbetriebe, sowie unterhaltende Programme und Gastspielreise ins besetzte Ausland, nach Belgien, Holland und Frankreich zu Beginn der 1940er Jahre umfasste, kam es am 8. Mai 1945 dazu, dass tatsächlich kein Theater mehr geöffnet war. Zahlreiche Theatergebäude wurden zerbombt. Dieser geschichtliche Zeitpunkt nennt sich Standpunkt Null. Darunter wird gemeint, dass nichts mehr da ist und die Zeit für einen Neuanfang kam.

Sehr bald nach dem Kriegsende bekommen deutsche Theatergruppen Erlaubnis weiter- bzw. wieder zu arbeiten, was zum Beispiel der Fall des Deutschen Theaters in Berlin war. Schon am 7. September 1945 wird das Theater wiedereröffnet. Sowohl vor als auch nach der NS-Zeit, blieb in der deutschen Theatergeschichte die Tradition der nicht politischen Aufführungen erhalten. Nämlich werden kontinuierlich klassische Stücke, Goethe, Schiller, so wie Werke Shakespeares szenisch dargestellt.

Das Theater in Besatzungszonen

Nur wenige Theater hatten das Glück in einem richtigen Theatergebäude zu spielen. Überall in Deutschland spielte man auf Hilfsbühnen, in Turnhallen und Wirtshäusern, in Kellern und Kantinen. Für die Inszenierung gabe es nur karge Dekorationen und Kostüme und diese unterliegen der Zensur der jeweiligen Besatzungsmächte. Besonders intensiv haben  Sowjeten das Theaterleben gefördert. Im Laufe des ersten Jahres nach dem Kriegsende eröffneten sich 74 Bühnen in der sowjetischen Besatzungszone. Auf dem Programm standen nicht nur russische Klassiker, sondern auch Werke, die sozialistische Ästhetik pflegten. Im Gegensatz zu ihnen förderten die Westalliierten die zeitgenössische Dramatik, die vor Allem der Umerziehung der Deutschen dienen sollte.

Aufgaben des Theaters

In dieser Zeit erweist sich die Funktion des Theaters in der gesellschaftlichen und kulturellen Restauration. Verstört von dem Wahnsinn der nationalsozialistischen Ideen und Taten, sowie deren Folgen auf die ganze Welt, versucht man dieser Thematik zu entkommen und wendet sich der klassischen Werten, den humanistischen Motiven in der Kunst, sowie der in der nahen Vergangenheit vertriebenen expressionistischen Kunst. Im Nachkriegstheater ist keine Auseinandersetzung mit der frühesten Geschichte zu finden.

Neue Formen

Seit den 1960er Jahren wird die bisherige Form des Theaters in Frage gestellt. Vielmehr soll die Kommunikation zwischen Bühne und Publikum gefördert werden. In dieser Zeit entstehen neue Theaterformen und –Auffassungen, z. B. das Dokumentartheater, das absurde Theater usw., die auch politische und geschichtliche Motiven thematisieren und für das Publikum im Jetzt und Hier relevant machen.